ICH BIN SO FREI. Freiheit – Verantwortung – Eigentum – Politically Incorrect

April 18, 2008

Papa, warum druckt man nicht einfach mehr Geld?

Filed under: Europa,Finanzkrise,linke Irrungen — Patrick Minar @ 2:41 pm

 

Wenn Kinder hören, dass man zu wenig Geld hat, ist oft ihre erste Frage, warum man nicht einfach mehr davon drucken kann. So absurd scheint die Frage gar nicht zu sein, zumindest wenn man sich die Geldpolitik der Zentralbanken, wie z.B. der Europäischen Zentralbank(EZB) ansieht. 

 

Gemeinhin gilt die EZB als Hüterin der Euro-Stabilität. Im Zuge der aktuellen Kreditkrise weigert sie sich auch beharrlich die Zinssätze zu senken, im Gegensatz zur US-Notenbank, und heimst sich für diese „Hartwährungspolitik“ auch immer wieder Kritik von jenen ein, die noch immer glauben, dass mehr Konsum die Wirtschaft stärken könnte. Das scheint ihren Ruf zu rechtfertigen.

 

Geht man jedoch dem Phänomen „Inflation“ etwas auf den Grund, erkennt man, dass es nicht weit her ist mit der Stabilität. Zurzeit werden ganze Zeitungsseiten und Nachrichtensendungen über die derzeit grassierende Inflation, gemeint sind  eigentlich die steigenden Preise, gefüllt. Bemerkenswert erscheint dabei, dass mit keinem Wort die Frage der Geldmenge erwähnt wird und offenbar überhaupt kein Verständnis über den Unterschied zwischen Inflation und Teuerung bei den wirtschaftspolitischen Kommentatoren vorhanden ist. Ursprünglich war der Begriff „Inflation“ eine Bezeichnung für die (nicht gedeckte) Ausweitung der Geldmenge. Wenn man also dem Rat des naiven Kindes folgt und in Folge von Geldmangels einfach die Gelddruckmaschinen anwirft, passiert das, was wir derzeit beobachten können: dadurch, dass mehr Geld vorhanden ist, sinkt die Kaufkraft pro Geldeinheit, was wiederrum zu steigenden Preisen (der Teuerung) führt. Steigende Preise sind also keineswegs als Inflation zu bezeichnen, sondern sind die Folge von Inflation.

 

Natürlich mögen Entwicklungen von Rohstoffpreisen am Weltmarkt eine Rolle spielen, ob die Preise steigen oder sinken. Die grundlegende Sache ist jedoch die Geldpolitik der Nationalbanken, die auf einem System des „Fractional Reserve Banking“ basiert, das es ermöglich, aus dem Nichts Geld zu schaffen und so ein Blase nach der anderen zu erzeugen. Die vielbeschworene Unabhängigkeit der Nationalbanken von der Politik ist natürlich nicht mehr als eine Beruhigungspille für die Menschen. Denn die größten Profiteure von der Ausweitung der Geldmenge sind gerade Politiker. Denn neben der Staatsverschuldung, ist das Drucken von Geld die einzige Möglichkeit, Geld auszugeben, das man eigentlich nicht hat.

 

Wie sieht es nun mit der Geldmenge aus, die die ach so stabile EZB zu verantworten hat: Die sogenannte Geldmenge M3, das ist die dafür wesentliche Kennzahl, steigt Monat für Monat sehr konsequent um über 10 Prozent, zuletzt im Februar um 11,6 Prozent. Man sieht also, dass sich Zentralbanken sehr wohl so verhalten, wie es Kindermund gerne kund tut: das Wirtschaftswachstum benötigt mehr Geld, deshalb muss man es drucken, lautet die gängige Argumentation. In Wahrheit ist Inflation nichts anderes als eine schleichende Enteignung von bestehenden Vermögensständen. Das ganze findet unter den Augen der politischen Entscheidungsträger statt, die natürlich viel lieber über Weltmarktentwicklungen dozieren, als sich einzugestehen, dass sie eigentlich keinen Spielraum mehr haben, die Gesellschaft und die Menschen nach ihren Vorstellungen zu verändern.

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4 Kommentare »

  1. Naja, den letzten Satz kann man glaube ich nicht so stehen lassen. Denn durch die durch Inflation erfolgte schleichende Enteigung, durch die kalte Progression, wird einerseits der Handlungsspielraum der ökonomisch noch unabhängigen Menschen immer enger, andererseits steigt die Zahl derer, die vom Staat, von den politischen Bürokratien und Entscheidungsträgern abhängig sind.

    Kommentar von Rainhard Kloucek — April 22, 2008 @ 6:29 pm | Antwort

  2. In diese Richtung gehend war es auch gemeint: In Wahrheit gibt es für politische Entscheidungsträger keinen Gestaltungsspielraum mehr. Durch künstlich herbeigeführte Mißstände, z.B. Inflation, schaffen sie sich jedoch immer neue Handlungsräume. Die einzigen die von Inflation, kalte Progression, künstliche Arbeitslosigkeit und Armut profitieren sind somit Politiker, die sich dadurch selbst immer neue (Pseudo-)Legitimation für neue Eingriffe verschaffen.

    Kommentar von Patrick Minar — April 23, 2008 @ 9:38 am | Antwort

  3. Bei unseren politischen Entscheidungsträgern geht es schon lange nicht mehr um die Fähigkeit oder gar die Chance zur Gestaltung. Um gestalten zu können, muss man ein gewisses Maß an Wissen und Bildung haben. So wie kein NR-Abgeordneter den EU-Vertrag gelesen, verstanden oder gar politisch begriffen hat, so ignorant sind sie auch den wirtschaftspolitischen Grundbegriffen gegenüber. Das wäre mal eine Aufgabe für den Ö3-MikroMann: Ein Rundruf zu unseren Volksvertretern mit Fragen wie z.B. „Was ist Inflation?, Was macht die EZB?, Was versteht man unter Hartwährungspolitik?, etc.“

    Ich bin überzeugt, dass die zu erwartenden Antworten uns eher von etwas anderem überzeugen werden: Wie glücklich wir doch eigentlich sein müssten, dass die Mädels und Jungs im Parlament keinen Gestaltungsspielraum mehr haben.

    Kommentar von Niko Formanek — April 23, 2008 @ 1:10 pm | Antwort

  4. traurig aber wahr….

    Man macht den selber Fehler wie zu Hitlers Zeiten als ein Brot 1 Milliarde Reichsmarkt gekostet hat.
    und so wird es früher oder später auch hier aussehen…..

    Kommentar von Stealthway — Mai 19, 2010 @ 11:08 am | Antwort


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