ICH BIN SO FREI. Freiheit – Verantwortung – Eigentum – Politically Incorrect

September 17, 2008

Ein Pyramidenspiel kommt zu seinem Ende

Filed under: Finanzkrise — Patrick Minar @ 11:25 pm

Für Ronald Reagan waren die furchterregendsten neun englischen Wörter „I’m from the government and I’m her to help.” Dieses Zitat sollte man sich vor Augen halten, wenn es um Erklärungen oder Lösungsvorschläge zur aktuellen US-Finanzkrise geht. Denn es war und ist durchgehend die Verantwortung von Regierungen und ihren Nationalbanken, dass wir nun am Rande einer noch nie dagewesenen Wirtschaftskrise stehen.
Während heimische Politiker im Zuge der Wachteleier-Diskussion einen überaus ambitionierten Kampf gegen die Teuerung aufs Parket legen, kommt in den USA eines der größten Pyramidenspiele der Weltwirtschaft zu seinem Ende. Die meisten Erklärungen dazu greifen jedoch zu kurz und blenden systematisch die Rolle von Regierungen konsequent aus.

Die übliche Lesart lautet sinngemäß: Die dummen Bürger haben sich im Zuge von Immobilienkäufen übernommen und können nun ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Diese haben sie bei ebenfalls dummen bzw. geldgierigen Banken aufgenommen, die nun um diese Kredite umfallen und deshalb den Bach runtergehen.

Die wahre Ursache liegt jedoch in der fatalen Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank Fed, die in den vergangenen Jahrzehnten den Dollar in einem unglaublichen Ausmaß inflationiert und durch eine künstliche Niedrigzinspolitik so billig wie nie in der amerikanischen Geschichte gemacht hat. Das niedrige Zinsniveau setzte den Anreiz immer mehr Geld auszugeben, das man eigentlich nicht hat, die Geldmengenausweitung stellte die dafür notwendige Liquidität zu Verfügung.

Unter denselben Parametern ist die Entwicklung der Börsenkurse zu sehen, die nun auch am Beginn einer massiven Wertberichtigung stehen. Die scheinbar immer weiter steigenden Kurse, die sich völlig von den realen Unternehmenswerten abgekoppelt haben, sind ebenfalls das Resultat billigen Geldes in scheinbar unbegrenzter Menge.

Durch diese Notenbank-Politik wurde die natürliche Grenze des persönlichen Eigentums außer Kraft gesetzt. Die Annahme, dass es immer jemanden geben werde, der einem die Anteile oder Immobilien abkaufen wird, egal wie weit der Preis über dem realen Wert liegt, war das Handlungsmuster hinter diesem grandiosen Pyramidenspiel, das nun zu seinem Ende kommen scheint.

Es existieren zwei Wege, wie es nun weiter gehen kann: Zum einen kann durch neues Geld der Zusammenbruch weiter hinausgeschoben werden. Das scheint der eingeschlagene Weg der Notenbanken zu sein. Die „Märkte mit Liquidität ausstatten“, heißt das Gebot der Stunde. Die Probleme werden dadurch jedoch nicht gelöst, sondern nur in die Zukunft verschoben, wo sie unter noch größerem Getöse bereinigt werden müssen. Die offenen Rechnungen müssen bezahlt werden, wann auch immer.

Die zweite Möglichkeit ist, die weitere Inflationierung zu unterlassen und so die Anpassung der Preise an die realen Werte zuzulassen. Das bedeutet eine massive Marktbereinigung, mit kurzfristig höchst unangenehmen Folgen für zahlreiche Unternehmen, Anleger und einfacher Bürger. Eine Krise ist also unausweichlich, es ist nur die Frage, wann und in welcher Dimension sie uns trifft.

Aus liberaler Sicht ist der Hinweis auf die Schuld der Regierungen von größter Bedeutung. Denn folgt man den meisten Analysen, stehen wir nun vor den Folgen der freien Marktwirtschaft. Als Lösungen werden Verstaatlichung, politische Kuratel und verstärkte Regulierungen angeboten. Das bedeutet jedoch den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Denn die heutigen Probleme entspringen eben nicht einem Systemfehler des Kapitalismus, sondern sind die Folge von staatlichen Eingriffen ins Geldwesen.

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6 Kommentare »

  1. Zu befürchten ist, die in solchen Fällen immer wieder praktizierte Lösung, der „Ablenkung vom Thema“. Dabei wird der Feind von außen aus dem geopolitischen Hut gezaubert, genügend Angst erzeugt und gegebenenfalls ein kleiner Krieg vom Zaun gebrochen. Diese Lösung ist zwar nicht sehr kreativ, aber immer wieder erfolgreich.

    Kommentar von wilhelm doms — September 18, 2008 @ 8:22 am | Antwort

  2. Ich kann diesem Artikel in den meissten Punkten sehr zustimmen, möchte aber doch auch an die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen appellieren. Wer ist denn die Regierung und der Staat? Der Staat sind wir alle zusammen und die Regierung wird von uns allen zusammen gewählt. Nur weil die Zinsen günstig sind, muss ich als Einzelner noch keinen Kredit aufnehmen, wenn es sich sowieso schon knapp ausgeht??? Gerade die Banken hätten auch damit rechnen müssen, dass die Zinsen in besseren Zeiten wieder steigen werden. Das ist nicht das erste Mal, daß dies so passiert ist. Deshalb hätten Sie schon damals knappe Kredite nicht vergeben dürfen und andere Kunden auf die tiefe Zinssituation hinweisen müssen, dafür gibt es eigene Researchteams….

    Ausserdem würde mich sehr interessieren wie Sie Herr Minar eine „Anpassung der Preise an die realen Werte“ genau sehen. Ein Preis ist doch immer etwas, dass durch Angebot und Nachfrage entsteht. Ich gebe Ihnen Recht, wenn viel Geld im Umlauf ist, wird die Nachfrage eher steigen und umgekehrt. Aber was genau sie mit einem realen Wert meinen, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wie würden Sie den denn dann beziffern??? Wie den wahren Wert von Unternehmen zu schätzen?

    Kommentar von Herbert — September 18, 2008 @ 12:33 pm | Antwort

  3. @ Herbert: volle Zustimmung, was die Frage der Eigenverantwortung betrifft. Ich halte es für nicht legitim, bei negativen Folfen seines Tuns nach dem Staat zu rufen. Man darf aber
    nicht vergessen, dass die Politik den Menschen seit Jahrzehnten einredet und vorlebt, dass Konsum besser ist als sparen. Das hat schon sehr das Denken vieler negativ beeinflusst.

    Zur Frage der Wertanpassung: unter normalen Bedingungen, d.h. wenn nicht die Politik durch Interventionen die Preise verfälscht, besteht ein enger Zusamenhang zwischen dem Preis einer Aktie und den Ertragsaussichten des betreffenden Unternehmens. Und genau dieser ist überhaupt nicht mehr gegeben. Es kann natürlich immer vorkommen, dass der Wert einer Aktie falsch eingeschätzt wird, d.h. dass sie gemessen an den Erträgen zu hoch oder zu niedrig bewertet wird. Zur Zeit sind die meisten Kurse jedoch völlig von den zu erwartenden Ertragsaussichten abgekoppelt. Und genau das ist etwas, was auf freien Märkten unter unverfälschten Bedingungen nicht möglich wäre. Dass sich jemand über die Erträge täuscht sehr wohl, aber nicht dass man die Erträge gar nicht beachtet.

    Das ist ja grundsätzlich das wirklich schlimme an staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft: die Verfälschung der Preise. Das hat zur Folge, dass es zu ineffizienten Ressourceneinsätzen und zu unternehmerischen Fehleinschätzungen kommt. Diese Erkenntis ist übrigens von Ludwig von Mises, der das als den Hauptgrund für das Nichtfunktionieren des Sozialismus identifiziert hat: im Sozialismus ist keine korrekte Rechnung möglich.

    Kommentar von Patrick Minar — September 18, 2008 @ 3:43 pm | Antwort

  4. Was hier noch speziell Erwähnt werden muss, ist dass die wichtigsten Player in der Krise Fannie Mae und Freddie Mac sind. Diese zwei Banken waren immer schon halbstaatlich. Deren Aufgabe war es, Möglichkeiten zu schaffen, dass auch ärmere Menschen (und damit waren vor allem auch angehörige von Minderheiten gemeint) sich ein Haus leisten können. Fanny Mae wurde von FDR im Rahmen seines „New Deal“ gegründet.

    Unter Clinton wurde diese Politik stark forciert. Es ist also so, dass die Subprime-Krise das Resultat der bewussten politischen Entscheidung, möglichst vielen Menschen einen Hauskauf zu ermöglichen (und damit deren Stimme zu kaufen).

    Zusätzlich kommt bei diesen beiden Banken dazu, dass deren Risiko immer schon verstaatlicht war (nicht aber deren Gewinn), sie sich nicht an die selben strengen Regeln halten mussten wie das private Banken müssen und dass dort haufenweise abgehalfterte Politiker einen neuen Job gefunden haben.

    Politisch ist das im Moment besonders interessant, da Obama normalerweise in der Lage sein müsste, die schlechte Wirtschaft auf Bush zu schieben. Das ist aber wegen Fannie Mae und Freddie Mac nicht so leicht möglich: Manager von diesen Banken sind wichtige Berater Obamas, Obama ist einer der größten Empfänger von Wahlkampfspenden von Fannie/Freddy und McCain hat 2006 ein Gesetz eingebracht, das ultimativ zur Reform dieser Banken aufruft. Dieses Gesetz wurde von den Demokraten gestoppt.

    Kommentar von Michael — September 18, 2008 @ 7:03 pm | Antwort

  5. Drei Anmerkungen:
    Erstens stellt sich die Frage, was denn reale Werte sind. Der Wert bestimmt sich immer am Markt durch Angebot und Nachfrage. Ein einfaches Beispiel: Was ist der reale Wert von Gold? Genau sein Marktpreis. Nicht mehr und nicht weniger. Mit gleicher Logik ist auch ein Unternehmen immer genau so viel wert, wie jemand anderer dafür zu zahlen bereit ist, d.h. der Unternehmenswert entspricht der Marktkapitalisierung. Jede andere Definition ist letztlich willkürlich und damit ebenso die Begründung der Prognose, dass wir vor einer massiven Wertberichtigung stehen (die wohl trotzdem stattfinden wird, wenn auch aus anderen Gründen).

    Eine zweite Beobachtung sollte man im momentanen Marktumfeld nicht ausser Acht lassen. Wir sehen einerseits dass der Interbankenmarkt zunehmend austrocknet (höhere Zinsen, geringere Liquidität) und andererseits Kreditbedingungen auch für Private zunehmend verschärft werden (auch hier höhere Zinsen und kaum verfügbare Kredite für schlechte Bonitäten). Das heisst, dass die zusätzliche Liquidität der Zentralbanken nicht bei Konsumenten und Unternehmen anzukommen scheint. Der Monetarist würde diagnostizieren, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit abnimmt. In einem derartigen Szenario kann die Ausweitung der Geldmenge durchaus sinnvoll sein und muss nicht preissteigernd wirken.

    Noch ein drittes: Das wahre Problem ist im Moment das Eingreifen des Staates um das gesunde und notwendige Sterben von Unternehmen zu verhindern. Positiv ist anzumerken, dass mit Lehman erstmals eine grössere Bank tatsächlich nicht vom Staat aufgefangen wurde. Warum man bei AIG wieder auf die alten Denkmuster zurückfällt und ein fallendes Unternehmen verstaatlicht, ist mir schleierhaft. Der Markt braucht solche Bereinigungen von Zeit zu Zeit, damit andere Unternehmen, die vernünftig und mit echter unternehmerischer Verantwortung agieren, nicht systematisch benachteiligt werden. Die geplante staatliche Lösung für sämtliche Probleme der US Finanzwelt ist ähnlich problematisch, wie ja auch schon (in deutlich kleinerem Rahmen) die staatliche Intervention bei der BAWAG marktverzerrend war.

    Kommentar von Stephan U. — September 19, 2008 @ 9:44 pm | Antwort

  6. @ Stephan U.: zu ersten Anmerkung darf ich auf Kommentar Nr. 3 zu diesem Artikel verweisen, wo ich auf diesen Punkt eingehe.

    zum zweiten: es ist aus Sicht der Politik ganz entscheidend, dass das von ihnen zu verantwortende neue Geld nicht gleich allen zugänglich wird. Das hat zur Folge, dass es immer politisch nahestehende Profiteure auf Kosten der Letztempfänger gibt (z.B. Banken).

    ad 3: volle Zustimmung. Hoffe, dass das auch in meinem Beitrag rauskommt. Ich halte das Signal, das nun ven „Rettungsaktionen“ ausgeht für fatal, da es den Grundstein für die nächsten fahrlässigen Investitionen legt. Moral hazard und lender of the last ressort heißen in diesem Zusammenhang die Schlagworte.

    Kommentar von Patrick Minar — September 19, 2008 @ 10:30 pm | Antwort


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