ICH BIN SO FREI. Freiheit – Verantwortung – Eigentum – Politically Incorrect

November 12, 2008

Wenn die Blase des billigen Geldes platzt

Filed under: Eigentumsrecht,Finanzkrise,liberale Theorie,linke Irrungen — Georg Vetter @ 5:41 pm

„Es sieht ein jeder, der nicht blind, wie krank wir trotz der Ärzte sind. Doch nie wird man die Frage klären, wie krank wir ohne Ärzte wären“, schreibt Eugen Roth. Allerorten schüttelt die Finanzkrise die traditionellen Kapitalmarktstrukturen durcheinander. Die Ursachenforschung tritt hinter die verschriebenen Beruhigungspillen zurück.

Je nach weltanschaulicher Orientierung werden auf der einen Seite Spekulanten, Hedgefonds und skrupellose Manager, auf der anderen der Staatsinterventionismus gepaart mit einer unverantwortlichen Geldmengenpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks für die Krise genannt.

Autoritätsgläubig wie die meisten Menschen sind rufen sie in der Stunde der Krise nach dem Staat – und lassen sich bereitwillig hinter’s Licht führen. Ein Staat, der sich eine Steuerreform in der Höhe von 3 Milliarden Euro nicht leisten kann, kann seriöserweise keine Garantie für eine Einlagensicherung in unbegrenzter Höhe abgeben. Die Botschaft der Regierung lautet übersetzt: Millionäre, die ihr an den Staat glaubt, bleibt bei uns und lasst Euer Geld in den österreichischen Banken. Ein Staat, der Jahr für Jahr Defizite schreibt und sich das Geld selbst bei den Banken ausleihen muss, kann keine größere Bank auffangen, wenn sie zu schlittern beginnt. Das Märchen von der unbegrenzten Einlagensicherung ist um nichts besser als eine Anlageberatung, die Aktien als sichere Investition bezeichnet.

Dass die Blase des billigen Geldes die Gier bei Managern geweckt hat, ist nicht verwunderlich. Die Aktivierung des Spieltriebs als vermeintliches Substitut der eigenen Tüchtigkeit ist keineswegs, wie manche meinen, allein auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Diese Massenpsychose hat selbst jene erfasst, von denen der eigene Finanzminister bis zum Schluss behauptet, dass sie gut aufgestellt seien. Von den ÖBB bis hin zu kleinen Gemeinden wurde mit öffentlichen Geldern gezockt. Und gerade darin liegt das Verwerfliche, das diejenigen wohl nie verstehen werden, die an die Allmacht des Staates glauben: Mit eigenem Geld zu spielen, ist eigenes Risiko. Mit fremdem Geld existenzgefährdend zu zocken, ist ein Verbrechen. Die staatsnahen Institutionen haben sich also um nichts besser erwiesen als andere. Im Gegenteil: Ihre Spekulation hat immer etwas Sakrosanktes, weil erwartet wird, dass der Staat im Fall des Falles einspringen kann (Intertrading, Bank Burgenland etc).

Nun die Staatsgarantie auf alle Banken auszudehnen, heißt im Klartext: Zockt weiter, denn Euch kann nichts passieren. Womit wir bei der Außerkraftsetzung der Marktreinigungsmechanismen wären. Wo das Insolvenzrecht ausgesetzt wird, endet nicht nur der Markt, sondern auch die Selbstverantwortung.

Nun auch noch die Kapitalmarktpolizei zu stärken und damit angeblich Sicherheit zu vermitteln, ist die Krönung der massenhaften Täuschung. Keine Polizei kann so gut sein, dass sie jedes Verbrechen verhindert. Die Qualität der Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht wird immer hinter der Phantasie des Marktes nachhinken. Das ist schon eine Preisfrage. Vorrang muss in einer auf dem Fundament der Freiheit aufbauenden Gesellschaft immer die Eigenverantwortung mit allfälligen strafrechtlichen Konsequenzen haben. Die Behörden, die systemimmanent immer zu spät kommen müssen, können nur ein Hilfsmittel sein. Den totalen Finanzmarktüberwachungsstaat zu kreieren, wird die Kräfte lähmen und jede Dynamik im Keim ersticken. Dass der Dollar gegenüber dem Euro in den letzten Wochen massiv an Stärke gewonnen hat, dürfte kein Zufall sein. Das eingangs erwähnte Gedicht von Eugen Roth kann vice versa auf den Kapitalmarkt und die Rolle des Staates umgelegt werden. Natürlich hat der Staat seine Ordnungsfunktion. Von ihm allerdings Perfektion zu erwarten, zerstört die Selbstreinigungskräfte und pflastert den Weg zur Hölle.

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2 Kommentare »

  1. Die unbegrenzte Einlagensicherung hat vor allem ein Ziel: Einen Run auf die Banken zu verhindern. Wenn massenweise Sparer ihr Geld in Sicherheit bringen möchten und es abheben, trifft es die Banken dort, wo es wehtut: Bei der Liquidität. Sie hätten zwar genug Forderungen, um das Geld prinzipiell zurückzahlen zu können, aber momentan zu wenig Cash, um alles auszahlen zu können. So funktioniert das Bankensystem seit Jahrhunderten.

    Eine „Geschieht ihnen Recht“-Mentalität ist zwar verlockend. Aber der Zusammenbruch einer der großen Banken hätte Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft und würde u.a. dazu führen, dass keine Investitionen getätigt werden und Arbeitsplätze abgebaut werden. Da würder der Staat wohl ohnehin in die Bresche springen um das Ärgste und vor allem eine Kettenreaktion zu verhindern. Siehe Island, siehe USA, die machen das ja auch nicht zum Spaß.
    So versucht der Staat durch das Versprechen der Einlagensicherung, zumindest diesem Grund eines möglichen Zusammenbruchs den Riegel vorzuschieben und darauf zu hoffen, dass die Banken noch mit einem blauen Auge davonkommen und in den nächsten Jahren vorsichtiger agieren. Wie gesagt, auffangen würde der Staat wohl ohnehin, das zusätzliche Vertrauen als Nebeneffekt ist da dann gratis mit dabei.

    http://oh-du-mein-oesterreich.blogspot.com/

    Kommentar von Norrin Radd — November 12, 2008 @ 8:33 pm | Antwort

  2. @Norrin Radd: umgekehrt wird ein Schuh draus, wie unsere deutschen Nachbarn sagen. Die Banken handeln nur deshalb unverantwortlich, weil sie genau wissen, dass im Ernstfall der Staat (euphemistischer Ausdruck für: wir Zwangsabgabenzahler) für jeden Blödsinn, den sie anrichten, geradestehen wird. Könnten Banken auch pleite gehen, inkl. persönlicher Haftung von Vorstand und Aufsichtsräten, würden die wenigsten auch nur in die Nähe von riskanten Geschäften kommen. Da aber ein großer Teil der Aufsichtsräte aus dem politischen Umfeld kommen, wird es so etwas nicht spielen.

    Doppelt blöd wird es dann, wenn der Staat riskante Geschäfte per Gesetz vorschreibt. Richtig gelesen, vorschreibt, nicht verbietet. So geschehen etwa bei den US-amerikanischen Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddy Mac. Denen wurde seinerzeit von der Clinton-Administration vorgeschrieben, dass sie einen bestimmten Prozentsatz an Immobilienkrediten an Bedürftige vergeben müssen. D.h. an solche Menschen, die den gewährten Kredit aller Vorraussicht nach nicht zurückzahlen werden können. Aber man hat ihre Stimmen gekauft, was für Politiker die Hauptsache ist.

    Kommentar von FritzLiberal — November 15, 2008 @ 1:11 am | Antwort


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