ICH BIN SO FREI. Freiheit – Verantwortung – Eigentum – Politically Incorrect

Januar 15, 2009

Helmpflicht für alle

Eine Reihe tragischer Schiunfälle hat eine Debatte über eine Helmpflicht beim winterlichen Freizeitvergnügen zur Folge. In Zeiten von Finanzkrisen und Gaststreit mag es vielleicht wichtigere Themen geben, dennoch wird an der Helmpflicht-Diskussion wieder einmal die Regulierungswut unserer Zeit deutlich.

Zu den nackten Zahlen: Auf Österreichs Pisten tummeln sich pro Jahr rund neun Millionen Menschen. Laut Zahlen (Stand 2007) des Kuratoriums für Verkehrssicherheit verletzten sich davon 51.600 Personen so schwer, dass sie im Spital behandelt werden mussten. Davon wiederrum trugen rund 10 Prozent Kopfverletzungen davon (wie viele davon trotz Schihelm behandelt werden mussten, geht aus den Zahlen nicht hervor). D.h. nur 0,06 Prozent aller Schisportler sind mit den Folgen von Kopfverletzungen konfrontiert. Eine vergleichsweise kleine Zahl, aber dennoch Auslöser für die aktuelle Diskussion, die ganzseitig in diversen Tageszeitungen geführt wird, die es in die Zeit im Bild schafft und durch die sich Politiker, vom Landeshauptmann abwärts, in Szene setzen.

Man kann davon ausgehen, dass es beim Stiegensteigen zu mehr Kopfverletzungen kommt. Im Analogieschluss wäre daher eine Treppen-Helmpflicht für alle ein notwendiger Schritt. Das Resultat wäre das gleiche: Weniger Kopfverletzungen, weniger individuelle Freiheit und mehr staatliche Kontrolle.

Sollte es bei Schiunfällen tatsächlich Regelungsbedarf geben, sollte man das einfach der Versicherungswirtschaft überlassen, die allfällige Zahlungen von Tragen eines Helmes abhängig machen könnte. Ähnliche Situationen existieren bereits beim Motorradfahren oder bei Alkohol am Steuer.

Eine Helmpflicht für Schifahrer mag als Thema mickrig erscheinen. Es geht dabei jedoch um mehr. Die Frage lautet: Was soll und was darf der Staat regeln? Je nach ideologischem Standpunkt wird man in dieser Frage zu sehr unterschiedlichen Antworten kommen. Eine von fast jedem akzeptierte Aussage ist, dass individuelle Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit des anderen berührt wird. Mit der Schihelmpflicht-Debatte liegt ein klassischer Fall vor, bei dem es immer nur einen geschädigten gibt: Jenen, der sich ohne Helm verletzt. Wo hier die Legitimität staatlicher Regelung gegeben sein soll, ist ein Rätsel.

Was bleibt ist das Etatisten-Totschlagargument,  dass man oftmals die Menschen vor sich selber schützen muss. Damit wurden und werden ständig Einschränkungen individueller Freiheit begründet und öffentliche Befugnisse ausgeweitet. Neben den freiheitsfeindlichen Auswirkungen, bringt dieses Denken demokratiepolitische und rechtsstaatliche Probleme nach sich. Denn unsere gesamte gesellschaftliche, politische und rechtliche Ordnung fußt darauf, dass Menschen eigenverantwortliche und vernunftbegabte Wesen sind. Wenn nun aber der Gesetzgeber, wann auch immer es im passt, davon ausgeht, dass der Bürger in Wahrheit genau nicht diese notwendigen intellektuellen Voraussetzungen mitbringt, um sein Leben selbst zu ordnen, untergräbt er letztlich die Grundlagen unserer Gesellschaft. Daher sind auch so scheinbare Nebensächlichkeiten wie das verpflichtende Tragen eines Schihelms zu bekämpfen. Dasselbe Denken, das Winterurlaubern einen Kopfschutz aufzwingen möchte, scheut sich dann auch nicht bei viel entscheidenderen Fragen, die Menschen wegen ihrer Dummheit einzuschränken.

Es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund, ohne Helm Schi zu fahren. Deshalb jedoch nach der Polizei zu rufen ist im Kern ein totalitärer Politikzugang. Politiker sollten daher der populistischen Verführung wiederstehen und sich in Fragen, wo Menschen über ihr eigenes Leben befinden, für nicht zuständig erklären.

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