ICH BIN SO FREI. Freiheit – Verantwortung – Eigentum – Politically Incorrect

Januar 25, 2010

Gegen die totale Bildung

Filed under: österreichische Innenpolitik,linke Irrungen — Patrick Minar @ 4:18 pm

„Wollt ihr die totale Bildung?“, schreien Politiker und durch öffentliches Geld bezahlte Pädagogen der hoffnungsvoll zuhörenden Menge entgegen. Diese ruft, nach deutlicher medialer Unterstützung, ein gellendes  „Ja“ zurück. Erst wenn schon Kleinkinder der staatlichen Fürsorge überantwortet sind, am besten ganztäglich, am besten alle zusammen, am besten alle mit eigenem Laptop, wenn dann alle Akademiker sind, ja dann haben wir endlich den neuen Menschen geschaffen, der unendlich klug, nur mehr die richtigen Entscheidungen treffen wird.

Glaubt man den Statistiken, ist unser Bildungssystem gescheitert: trotz größter finanzieller Aufwendungen produziert es einen Haufen struktureller Analphabeten, hat vor den integrationspolitischen Herausforderungen längst kapituliert, wappnet seine Absolventen nur mäßig für den  Arbeitsmarkt und hat das  größte Ziel der Sozialpolitik, die soziale Durchlässigkeit, weit verfehlt. Die Trümmer vor denen wir nun stehen, sind die eines staatlichen Bildungssystem. Die über 200jährige Geschichte eines staatlich verordneten Zwangsbildungssystems hat uns dahin gebracht, wo wir nun stehen. Auch wenn es manch einem sicher gelingen wird, auch das dem Neoliberalismus, oder der Globalisierung in die Schuhe zu schieben, muss man die fragwürde Erfolgsstory unserer Bildungsplanwirtschaft als Faktum zur Kenntnis nehmen.

Wie in allen Bereichen hat der Staat als Akteur auch im Bildungssystem völlig versagt. Die Antwort auf Staatsversagen ist aus Politikermund immer die gleiche: mehr Staat. Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben sagt der Volksmund dazu. In Anbetracht der verheerenden Bilanz staatlichen Treibens, von Bildung über Gesundheit bis zur Wirtschaft, das Heil in einer Ausweitung öffentlichen Einflusses – nichts anderer wäre die Ausdehnung der Schulzeit –zu sehen, ist das radikale Gegenteil dessen, was das eigentliche Gebot der Stunde wär: Schutz und Erhalt privater, politikfreier Räume, die eine Entfaltung individueller Freiheit möglich machen, und die Gesellschaft in Ruhe lassen.

Aus liberaler Sicht ist eine Ausweitung des Angebots immer eine begrüßenswerte Entwicklung. In einer freien Gesellschaft würde es vermutlicher weise auch das Angebot einer Ganztagesschule geben. Von katholisch-konservativen Internaten bis freidenkerischen Bildungskolchosen könnte das Spektrum reichen, solange es jemanden gibt der es nachfragt. Die Methode der Politik ist jedoch nie auf Vielfalt und Differenzierung ausgerichtet, sondern tendiert immer zur Vereinheitlichung und Standardisierung – im Polit-Sprech Harmonisierung genannt. Die Geschichte zeigt deutlich, wie der übliche modus operandi der öffentlichen Hand aussieht: In Phase eins bringt man zunächst, propagandistisch unterlegt, Positionen und Vorschläge ein, die man dann den Menschen als Wahlmöglichkeit zur Verfügung stellt. Sollten sich die unmündigen Bürger dann in ihrer primitiven Sicht der Dinge doch nicht diesen als richtig und wichtig definierten Maßnahmen zuwenden, geht man in Phase zwei mit Salamitaktik vor und setzt kleine Schritte in die gewünschte Richtung durch. Kommt man auch so nicht zum gewünschten Ergebnis, setzt die Politik in Phase drei schließlich ihre Ziele per Zwang durch. Das letzte Argument der Politik ist immer die vorgehaltene Pistole.

In Bezug auf die Ganztagesschule, befinden wir uns gerade zwischen Phase eins und zwei. Die Ganztagesschul-Befürworter haben eine klare Position (siehe z.B.  www.wiennwillswissen.at: „Internationale Studien zeigen, dass die Ganztagsschule der entscheidende Erfolgsfaktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist und auch das Bildungsniveau der Bevölkerung deutlich hebt.“) und wollen diese Maßnahme als Angebot der Bevölkerung unterbreiten. Nach einer flächendeckenden Einführung der Ganztagesschule sind zwei Szenarien denkbar: Entweder sie wird angenommen, dann wird argumentiert werden, dass das Angebot massiv ausgeweitet bzw. die Ganztagesschule wegen des großen Erfolgs als das neue Regelschulsystem eingeführt werden muss. Die andere Möglichkeit ist, dass sie nicht angenommen wird, dann werden die dummen Bürger zwangsbeglückt, da sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen und aus ihrer Kleingeistigkeit einfach befreit werden müssen. Dem Versprechen der Politik, nur die Wahlfreiheit ausbauen zu wollen, kann auf Grund der Erfahrung mit Politikern, die Gestaltungswille mit der Bereitschaft zur Zwangsbeglückung kombinieren, kein Glauben geschenkt werden. Aus diesem Grund sind auch den kleinen Schritten hin zu mehr öffentlichen Einfluss Riegel vorzuschieben.

Teilt  man den Befund, dass das öffentliche Bildungssystem im Argen liegt, kann die Alternative nur die schrittweise Heranführung an ein privates Bildungssystem sein. Es entbehrt jeder Logik, dass jeder bereit ist, für den nächsten Urlaub, für das neue Auto, oder den größeren Flat-Screen Geld zu sparen und auszugeben, für die entscheidende Ware Bildung jedoch die Alimentierung aus Staatshand erwartet. Modelle für Übergangsszenarien – Stichwort Bildungsscheck – gibt es genug. Da ein privates Bildungssystem der Politik jedoch einen wesentlichen Hebel zur Beeinflussung und Steuerung der Gesellschaft nehmen würde, geht wohl eher ein Kamel durch ein Nadelöhr.

Beitrag zuerst erschienen auf www.wienwillswissen.at

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7 Kommentare »

  1. Die politische Taktik ist gut beschrieben – so oder so gibt es beachtliche Strömungen, Kinder komplett unter staatlichen Einfluss zu bringen, die nicht nur auf SPÖ und Grüne beschränkt sind. Machtpolitisch ist das ja auch nachzuvollziehen; meistens geht es ja darum, dass die Eltern oder private Institutionen nicht garantieren können, dass Kinder mit genau den Meinungen und Idealen aufwachsen, die die jeweiligen Gruppen durchsetzen wollen. Deswegen ist es auch prinzipiell so wichtig, dass es private Bildungseinrichtungen gibt, um ein gewisses Mindestmaß der (Wahl)Freiheit zu erhalten. Leider kann man dem Schlusssatz aber nur zustimmen: Diesen Hebel lässt sich die Politik nicht nehmen.

    Kommentar von Aus dem Hollerbusch — Januar 27, 2010 @ 12:19 pm | Antwort

  2. Schließe mich dem Kommentator an und ergänze mit einer Frage:

    Kann es sein, dass die zur Zeit in Gang gesetzte Debatte über kirchliche Institutionen über Missbrauchsfälle, die oft Jahrzehnte zurückliegen, ein Ziel hat, private Bildungseinrichtigungen nachhaltig zu beschädigen?

    Kommentar von mexx — März 15, 2010 @ 11:31 am | Antwort

  3. @ mexx
    Ich glaube nicht, dass hier ein gezielte Kampagne am laufen ist. Aber inhaltlich werden daraus sicher Argumente gegen private Bildungseinrichtungen abgeleitet werden. Für die Staatspädagogen ist das Zusammenfallen der Bildungsdebatte mit den Missbrauchsfällen natürlich ein sehr willkommener Zufall.

    Kommentar von Patrick Minar — März 16, 2010 @ 12:55 pm | Antwort

  4. wenn das hier phantasierte linke irrungen sind, bist du dann ein rechter trottel?

    Kommentar von hc voigt — März 18, 2010 @ 1:13 am | Antwort

  5. @ hc voigt

    So wie bisher auch, möchte ich auch weiterhin alle Kommentare veröffentlichen. Selbst wenn sie, so wie ihre Äußerung, aus dem Rahmen fallen.

    Kommentar von Patrick Minar — März 18, 2010 @ 3:39 pm | Antwort

  6. Danke für diesen tollen Beitrag!

    lg DL

    Kommentar von Dominik — Oktober 29, 2010 @ 12:47 pm | Antwort


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